Archiv für den Monat: Januar 2012

Nachhaltige Direktbeteiligungen und Lenkungsmaßnahmen des Staates

Serie: Nachhaltig orientierte Anlageformen (Teil 4) Direktbeteiligungen stellen eine direkte Beteiligung des Investors an dem jeweiligen Unternehmen oder Großprojekt dar. Auf den internationalen Finanzmärkten werden sie daher auch als Unternehmensbeteiligungen bezeichnet. Der vierte und letzte Teil der Serie bringt einen kurzen Überblick über nachhaltige Direktbeteiligungen. Zusätzlich zeigt dieser Artikel Lenkungsmaßnahmen auf, die der Staat ergreifen muss, um die geeigneten Rahmenbedingungen für ein Finanzsystem zu schaffen, welches sich an nachhaltigen Maßstäben orientieren kann.

Nachhaltige Direktbeteiligungen
In jüngerer Vergangenheit haben die Entwicklungen auf den Finanzmärkten gezeigt, dass sich Direktbeteiligungen oder die unmittelbare Beteiligung an Unternehmen bei Investoren einer konstant wachsenden Beliebtheit erfreuen. Der Grund hierfür ist zumeist in den steuerlichen Begünstigungen zu finden, welche diese Anlageform mit sich bringt.

Dies zeigt sich spätestens dann, wenn diese Form der Geldveranlagung, verglichen mit anderen Anlageformen, vor Steuern eigentlich kaum höhere Renditen erwirtschaftet. Parallel dazu ist eine Unternehmensbeteiligung zumeist mit höheren Risiken verknüpft. Erst die vorhandenen Steuervorteile verschaffen einer Direktbeteiligung in den meisten Fällen den nötigen Vorsprung gegenüber anderen Finanzprodukten.

Bei einer Unternehmensbeteiligung wird der Anleger zum Miteigentümer eines Großprojekts oder eines Unternehmens. Zumeist geschieht dies, indem der Investor die Rolle eines stillen Teilhabers oder eines Kommanditisten einnimmt. Somit kann der private Anleger auch direkten Einfluss auf das jeweilige Projekt oder Unternehmen ausüben. Solche Konstellationen sind häufig bei Fotovoltaikkraftwerken oder Windparks zu finden.

Allgemein muss dem Investor jedoch nahegelegt werden, bei jeder Direktbeteiligung Risiken und Chancen einzeln abzuwägen. Ebenso wichtig sind im konkreten Fall die Rechtsform des jeweiligen Unternehmens sowie die Gestaltung und Formulierung der für eine Beteiligung notwendigen Verträge. In diesem Zusammenhang fällt der Transparenz des jeweiligen Unternehmens oder Projekts eine entscheidende Rolle zu. Wie bei kaum einer anderen Anlageform sind hier verlässliche und richtige Informationen unumgänglich.

Direktbeteiligungen werden in speziellen Fachzeitschriften oder bei alternativen und herkömmlichen Bankinstituten angeboten. Darüber hinaus sind sie auch auf dem freien Kapitalmarkt erhältlich. Sie unterliegen der Aufsicht des Staates nur im geringen Maße.

Lenkungsmaßnahmen des Staates
Es steht außer Frage, dass in jedem Fall auch der Staat geeignete Lenkungsmaßnahmen ergreifen muss, um die Rahmenbedingungen für ein auf lange Sicht nachhaltig orientiertes Finanzsystem zu schaffen.

Konkret geht es darum, die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen zu verringern. Der Verbrauch dieser nicht erneuerbaren Energieträger muss steuerlich stärker belastet werden, während die Arbeitskraft selbst steuerlich entlastet werden muss.

Diese Maßnahmen sind jedoch wirkungslos, wenn sie nicht mit dem Aufbau einer umweltschonenden und umweltfreundlichen Infrastruktur einhergehen. Auch hier fällt dem Staat eine wichtige Rolle zu, welche in Europa jedoch häufig vernachlässigt wird.

Werden parallel dazu etwa jene Unternehmen und Branchen, welche zukunftsweisende Erzeugnisse herstellen sowie erneuerbare Energieträger bevorzugen, entsprechend gestärkt, so kann eine Volkswirtschaft auch langfristig mit nachhaltigen und positiven Entwicklungen rechnen. [•] Joachim KERN

Text: Joachim KERN
Foto: Bild: Bild: © Logostylish – Fotolia.com

Lesen Sie hier Teil 1 der Serie.
Lesen Sie hier Teil 2 der Serie.
Lesen Sie hier Teil 3 der Serie.

Umstieg auf erneuerbare Energien würde Brandenburg große Vorteile einbringen

Schätzungen von Greenpeace zufolge würde ein kompletter Umstieg von Braunkohle auf Erneuerbare Energien dem Bundesland Brandenburg bis 2030 eine Steigerung der Wertschöpfung durch Regenerative Energien auf 1,25 Milliarden Euro einbringen, was einer Verdopplung der jetzigen Einnahmen entspräche. Erkenntnissen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zufolge würde sich gleichzeitig die Stromerzeugung mehr als verdreifachen, was eine Deckung des Strombedarfs von 270% bedeuten würde.

Biokraftstoffe: Hoher Informationsbedarf bei Verbrauchern

Die soeben veröffentlichte Studie „Biokraftstoffe” untersucht die Einschätzung der befragten Menschen hinsichtlich der Auswirkung von Biokraftstoffen auf unsere Umwelt sowie auf unsere Gesellschaft. Die Ergebnisse zeigen, dass seitens der Verbraucher nach wie vor ein hoher Informationsbedarf hinsichtlich der Produktion sowie des Einsatzes von Biokraftstoffen herrscht. Folglich zeichnet sich bei diesem sensiblen Thema kein allgemeingültiges Stimmungsbild ab.

Die Studie
Erneut zeichnet das renommierte CleanEnergy Project für eine hochbrisante Meinungsumfrage verantwortlich. Diesmal wurde die aktuelle Meinung von über 1.000 Erwachsenen erhoben, welche generell bereits einen starken Zugang, sei es beruflicher oder privater Natur, zu den Themenkreisen Umwelt und Energie haben. Bei den Befragten handelt es sich in diesem Fall um Mitglieder des Branchennetzwerks für Nachhaltigkeit, saubere Technologien und erneuerbare Energien.

Diese Momentaufnahme des herrschenden Stimmungsbildes zeigt, dass 39 Prozent der Befragten dem Thema Biokraftstoffe eher positiv gegenüberstehen. Zugleich beschreiben 35 Prozent der Teilnehmer ihre Einstellung als eher negativ. Ganze 26 Prozent der Interviewten können sich auf keine eindeutige Meinung festlegen und beurteilen Biokraftstoffe daher als eher neutral.

Der Blick auf die Detailergebnisse der Umfrage macht klar, dass die Meinungen zu den einzelnen Bereichen der Thematik durchwegs stark auseinanderstreben.

Während 51 Prozent der Befragten den Einsatz von Biokraftstoffen als einen Beitrag zur CO2-Reduktion gegenüber mineralischen Rohstoffen, und somit als einen Beitrag zum Klimaschutz, bewerten, gestehen lediglich 23 Prozent der Teilnehmer den alternativen Kraftstoffen auch große Zukunftschancen ein. Als einer der Hauptkritikpunkte an Biokraftstoffen wird ihre negative Auswirkung auf den Anbau von Nahrungsmitteln angeführt. Jedoch erscheinen die Befragten auch in diesem Punkt uneins. Dies führt zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Interviewten davon ausgeht, dass die für die Herstellung von Biokraftstoffen erforderlichen Energiepflanzen nicht nur den Anbau von Nahrungsmitteln verdrängen, sondern zugleich auch einen Anstieg der Nahrungsmittelpreise herbeiführen. Gleichzeitig sind jedoch auch 68 Prozent der Teilnehmer, also über zwei Drittel, sicher, dass der Anbau ebendieser Energiepflanzen auch in einer nachhaltigen Art und Weise erfolgen kann.

Fazit
Anhand der vorliegenden Studie kann derzeit kein allgemeingültiges Stimmungsbild zum Thema Biokraftstoffe gezeichnet werden. Der Anteil der Interviewten, welcher dem Thema positiv gegenübersteht, ist in etwa gleich groß wie der Anteil jener Befragten, die Biokraftstoffe negativ bewerten. Zugleich gibt es einen großen Anteil der Verbraucher, die das Thema generell eher neutral bewerten.

Ein möglicher Ansatz, das zweifellos herrschende Informationsdefizit auf der Verbraucherseite zu reduzieren, liegt folglich darin, dass die Anbieter von Biokraftstoffen die Menschen verstärkt über ihre Produkte, deren Umweltbilanz sowie die angewandten Herstellungsmethoden informieren.

Text: Joachim KERN
Bild: Fotolia / Natalia Hudyma

Nachhaltige Aktien und festverzinsliche Wertpapiere

Serie: Nachhaltig orientierte Anlageformen (Teil 3)
Nachhaltige Aktien und festverzinsliche Wertpapiere

Wie zu Beginn der Serie über nachhaltig orientierte Anlageformen dargelegt, gibt es praktisch zu jedem traditionellen Finanzprodukt eine Alternative, die auf die besonderen Ansprüche des vorausschauend agierenden und umweltbewussten Anlegers abgestimmt ist. In Zeiten, in welchen ein erhöhter Bedarf an sicheren Anlageprodukten besteht, erleben festverzinsliche Wertpapiere einen neuerlichen Aufschwung. Der dritte Teil der Serie bringt einen kurzen Überblick über nachhaltige Aktien sowie über nachhaltige festverzinsliche Wertpapiere.

Nachhaltige Aktien
Aktien locken Investoren seit jeher mit überdurchschnittlich hohen Gewinnen. So verhält es sich auch bei nachhaltig orientierten Aktien. Der Unterschied besteht darin, dass es sich in diesem Fall um Wertpapiere handelt, die ausschließlich einer gewissen Gruppe von Unternehmen zugeordnet werden können. Konkret handelt es sich dabei um Aktiengesellschaften, deren Aktivitäten auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit stattfinden. Hierbei geht es zumeist um Betriebe, die im Geschäftsfeld der erneuerbaren Energieproduktion tätig sind oder allgemein den Umwelttechnologien zuordenbar sind. Auch Anteile sozial aktiver Firmen zählen dazu.

Es liegt jedoch ebenso in der Natur der Aktien, dass der hohen Rentabilität eine geringere Sicherheit gegenübersteht. Auch ist das solcherart investierte Vermögen nicht immer sofort verfügbar. Um dieses Risiko bestmöglich zu minimieren, greifen die Anleger hier auf die Informationen Zweiter und Dritter zurück. Dazu zählen etwa die Bewertungen durch Ratingagenturen, Fachzeitungen oder spezialisierte Finanzdienste.

Diese untersuchen neben den gängigen Punkten in diesem Fall besonders die ökologischen, sozialen und ethischen Leistungen des jeweiligen Unternehmens. Zusätzlich wird dieses Paket an Informationen um weitere Faktoren ergänzt. Dabei kann es sich unter anderem um die Zufriedenheit der Mitarbeiter oder um die Entsorgungspolitik des Unternehmens handeln. Die endgültige Bewertung des Betriebs erfolgt mittels diverser Indizes.

Nachhaltige festverzinsliche Wertpapiere
In Deutschland gehen immer mehr alternative Bankinstitute dazu über, festverzinsliche und nachhaltige Wertpapiere anzubieten. Auch traditionell orientierte Banken haben diesen Trend erkannt und engagieren sich auf diesem Gebiet.

Bei dieser Form der finanziellen Veranlagung stellt der Anleger das investierte Kapital seinem Gegenüber für einen fix definierten Zeitraum zur Verfügung. Auch die Zinsen werden vorab festgesetzt. Sie werden entweder am Ende der Laufzeit gemeinsam mit dem veranlagten Kapital oder als kleinere Zahlungen während der Laufzeit ausbezahlt.

Heute sind nachhaltige Anleihen in Deutschland zwar leichter erhältlich, aber immer noch eine seltene Form der finanziellen Veranlagung. Die momentane wirtschaftliche Lage in Europa lässt jedoch den Schluss zu, dass nachhaltige festverzinsliche Wertpapiere in den kommenden Jahren verstärkt auf dem Finanzmarkt angeboten werden.

Text: Joachim KERN
Foto: Bild: Bild: © Logostylish – Fotolia.com

Lesen Sie hier Teil 1 der Serie.
Lesen Sie hier Teil 2 der Serie.