Biokraftstoffe der zweiten Generation – E10 als Umweltkosmetik

Posted on | Februar 18, 2011 | 1 Comment

Durch die Einführung des sogenannten Ökokraftstoffes E10 an den Tankstellen und die damit verbundene Unsicherheit vieler Autofahrer, ob ihr Fahrzeug diesen neuen Treibstoff auch verträgt, geriet der Begriff Biosprit aktuell wieder in aller Munde. Dass der höhere Kraftstoffverbrauch die von E10 die geplante positive Energiebilanz wieder zunichte macht, stellt den Sinn der Verwendung dieses sogenannten Biosprits in Frage. Vor allem ist aber die bis heute übliche Herstellung von Biodiesel und Biosprit aus nachwachsenden Rohstoffen überhaupt äußerst fragwürdig. E-10 lässt also viele Fragen offen.

Wenn in den armen Ländern Pflanzen wie Mais, Topinambur oder Zuckerrohr angebaut werden, um daraus für die Industrieländer Biosprit herzustellen, während der Mais für die Ernährung der eigenen Bevölkerung fehlt, so stimmt da etwas nicht. Und wenn Regenwälder abgeholzt werden, um auf der gewonnenen Fläche Biotreibstoffe zu erzeugen, dann gibt es einen gewaltigen Rechenfehler in der Klimabilanz. Unbestritten ist die Notwendigkeit, eine nachhaltige Entwicklung neuer Kraftstoffe voranzutreiben. Aber Biosprit verdient im Grunde erst die Bezeichnung Ökokraftstoff, wenn er nicht mehr aus nachwachsenden Rohstoffen, sondern aus Abfällen hergestellt wird. Und davon gibt es, gerade und vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen ja auch heute schon viele Rohstoffe für die Kraftstoffproduktion angebaut werden, genügend.

Ein sehr großer Teil der weltweiten land- und forstwirtschaftlichen Abfälle entsteht in diesen Ländern. Und genau aus diesen Abfallprodukten lassen sich Diesel, Ethanol oder synthetisches Gas als Biokraftstoffe der zweiten Generation, herstellen. Die Herstellung von Biokraftstoffen aus Abfällen schmälert die Lebensmittelproduktion nicht, sondern sie ergänzt diese. Abfall ist ein Rohstoff, der im Überfluss vorhanden ist, es fällt schon heute mehr als genug davon an, und Hand in Hand mit der Etablierung einer nachhaltigen Landwirtschaft in den Entwicklungsländern, würden sich diese Ressourcen noch steigern lassen.


Gegenwärtig könnte mit nur zehn Prozent der vorhandenen Abfallstoffe aus der Land- und Forstwirtschaft die doppelte Menge Biosprit hergestellt werden, wie sie aktuell angeboten wird. Nur zehn Prozent der anfallenden Holzabfälle, Stroh, Nussschalen und anderer Reststoffe ergäben 125 Milliarden Liter Diesel oder 170 Milliarden Liter Ethanol pro Jahr. Aber bislang funktioniert die zur Herstellung dieser wirklichen Ökokraftstoffe nötige Technik lediglich in Pilot- und Versuchsanlagen. Demonstrationsanlagen gibt es bis jetzt in Brasilien, Indien und China, 2012 soll in den USA eine erste kommerzielle Anlage ihren Betrieb aufnehmen, die zur Produktion von etwa 100 Millionen Liter ausreicht. Zehn bis fünfzehn Jahre wird diese Entwicklung noch benötigen, in denen die möglichen ökologischen Auswirkungen auf die Böden und die Wasserressourcen geklärt werden und internationale Nachhaltigkeits- sowie soziale und ökologische Standards verbindlich festlegt werden müssen.

Hier ist die Politik gefragt, schnellstmöglich wirtschaftliche Anreize zu setzen, damit die Biokraftstoffe der zweiten Generation, die einen wirklichen Beitrag für die Verbesserung der Klimabilanz leisten können, auch produziert und eingesetzt werden und nicht weiterhin mit dem Wort “Bio” Augenwischerei und Umweltkosmetik getrieben wird. Doch dies ist derzeit leider noch Zukunftsmusik, derzeit streitet man sich lieber ob der neue Kraftstoff 1, 2, oder 3 % mehr Verbrauch verursacht.

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Comments

One Response to “Biokraftstoffe der zweiten Generation – E10 als Umweltkosmetik”

  1. D. Grauber
    Juli 27th, 2011 @ 07:01

    Mir war nicht bewusst, dass die Biokraftstoffproduktion aus Forstabfällen möglich ist. Sehr interessant.

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