Was im ersten Moment wie eine erfreuliche Nachricht klingt, erweist sich rasch als Information, die vielmehr Anlass zur Sorge gibt. Der Grund für die reihenweise Abschaltung der japanischen Atomkraftwerke liegt nicht in einem radikalen Umdenkprozess der Regierung des Landes. Vielmehr sind es markante Sicherheitsmängel, die dazu führen, dass die Stromproduktion immer weiter gedrosselt wird.
Sechs statt 54
Aktuell werden auf dem asiatischen Inselstaat noch zehn Kernkraftwerke betrieben. Vor der großen Katastrophe am 11. März 2011 (Hydrogen Expo berichtete) waren es nicht weniger als 54 Kraftwerke dieses Typs, welche die Industrienation mit elektrischer Energie versorgten. Bis Ende des Jahres werden voraussichtlich weitere vier Atomkraftwerke vom Netz genommen.
In der Regel sind es schwere Sicherheitsmängel in den jeweiligen Kraftwerken, die dazu führen, dass die Stromproduktion in den Reaktoren gestoppt werden muss. Wie gravierend diese Mängel tatsächlich sind, kann momentan nicht wirklich abgeschätzt werden.
Was in Fukushima wirklich geschah
Vielleicht scheut sich die internationale Staatengemeinschaft auch davor, den tatsächlichen Ursachen genauer auf den Grund zu gehen. Eventuell haben noch nicht alle Beteiligten den Schock über das wahre Ausmaß der Atomkatastrophe von Fukushima verarbeitet.
So kam etwa kürzlich ein internationales Expertenteam im Zuge einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass in Fukushima eine dermaßen große Menge des radioaktiven Isotops Xenon 133 freigesetzt wurde, dass dabei die Menge des 1986 in Tschernobyl freigesetzten Xenons 133 um den Faktor 2,5 übertroffen wurde. Die gleichzeitig freigesetzte Menge an radioaktivem Cäsium 137 entspricht rund 42 Prozent jener Menge, welche Tschernobyl und seine Umgebung großräumig kontaminierte.
Die angespannte Energiesituation
Dass die reihenweise Abschaltung der Atomkraftwerke nicht ohne Konsequenzen für Japans Bevölkerung bleibt, liegt auf der Hand. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht sich die Regierung jedoch noch nicht dazu gezwungen, die Bevölkerung mittels gesetzlicher Maßnahmen zum Energiesparen zu bewegen. Stattdessen veröffentlichen regierungsnahe Behörden sowie die Regierung selbst laufend neue Vorschläge, die dazu beitragen sollen, dass Japans Bevölkerung ihren Energieverbrauch senkt.
Um die angespannte Energiesituation gemeinsam zu meistern, sollen Japaner im Winter sowohl im Büro als auch zu Hause nicht auf wärmende Handschuhe und Kopfbedeckung verzichten. Um sich aufzuwärmen wird empfohlen, einen Teil des Arbeitswegs zu Fuß zurückzulegen. Kurz: körperliche Bewegung als einfache Maßnahme gegen unterbeheizte Büros.
Bleibt zu hoffen, dass Japans Energieversorgung nicht noch weitere Überraschungen für die Weltöffentlichkeit in petto hat.
Text: Kern
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