Jatropha – Energiepflanze der Zukunft oder Fluch?

Die weltweite Suche nach erneuerbaren Energiequellen führt die Menschheit, seit auch der Letzte begriffen hat, dass das Erdöl irgendwann zu Ende ist, in die entlegensten Winkel des Planeten. Dabei liegt das Hauptaugenmerk seit einigen Jahren auf Pflanzen, die für die Energiegewinnung nutzbar sind.

Der angenehme Nebeneffekt dabei ist, dass Energiegewinnung aus Pflanzen den Anstrich der Ökologie hat. Das Grundprinzip hinter dieser Idee ist auch ganz logisch, eine Pflanze gibt bei ihrer energetischen Verwendung nur so viel CO2 ab wie sie zuvor aufgenommen hat. Was allerdings nur graue Theorie ist, denn die Praxis sieht deutlich anders aus.

Rechnet man die Gewinnung der Anbauflächen, inklusive der häufigen Brandrodung und Trockenlegung von Urwaldflächen, den Wegfall von Ackerland, die notwendigen chemischen Stoffe zur Aufrechterhaltung einer Monokultur und die sozialen bzw. ökologischen Probleme in den Erzeugerländern hinzu, sieht die Ökobilanz mehr als schlecht aus.

Als eine mögliche Wunderlösung wird schon seit einigen Jahren eine Pflanze gehandelt, die in den Tropen und Subtropen heimisch und im Volksmund als Purgiernuss bekannt ist. Es ist die Jatropha Pflanze deren Frucht stark ölhaltig ist, ähnlich den Früchten der Ölpalme.

Der Vorteil dieser Pflanze ist, dass sie auf trockenen und marginalen Böden gedeiht und so auch auf Ackerflächen angebaut werden kann, die sonst nicht landwirtschaftlich nutzbar wären. So zumindest die optimistischen Angaben der Kraftstoffindustrie.

Was von Seiten der Industrie aber verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass die Jatropha Pflanze zwar auf trockenen Böden überlebt, soll sie aber einen wirtschaftlichen Ertrag bringen muss sie massiv bewässert werden.

Forscher der Universität Twente haben herausgefunden, dass Jatropha etwa fünf Mal so viel Wasser benötigt um Ertrag zu bringen wie Zuckerrohr und Mais und gar zehn mal mehr als Zuckerrüben. das lässt die Pflanze in zunehmend schlechtem Licht dastehen.

Denn angebaut wird sie großtechnisch bereits im südlichen Afrika und Indien. Dort liegen die Plantagen zwar auf ursprünglich trockenem und landwirtschaftlich schlecht nutzbarem Land, die massive Bewässerung legt die dortigen ohnehin schon wasserarmen Gebiete aber nahezu trocken, was unabsehbare Folgen für das ökologische Gleichgewicht und letztendlich auch für die Landwirtschaft hat.

Hinzu kommen die großräumigen Spekulationen mit Ackerflächen und dem Land der dort ansässigen Landwirte, mit schlimmsten sozialen Folgen für die Menschen. Das Fazit der Jatropha-Lösung ist also ebenso ernüchternd wie das der Palmöl- oder Ethanollösungen. Sie alle weisen eine noch schlechtere Ökobilanz auf, als das altbekannte Erdöl.

Wenn auch nach dem Ende des Öls zwangsläufig eine Alternativlösung gebraucht wird, so sollte man nicht den Fehler machen, diese Lösung als Ökologisch oder nachhaltig anzupreisen. Besser wäre eine massive Einsparung von Energie, speziell im Bereich der Gebäude ist da noch viel Potential vorhanden, dieses zu finden hilft beispielsweise die Baubiologie.

3 Gedanken zu „Jatropha – Energiepflanze der Zukunft oder Fluch?

  1. klm

    die betrachtung ist von daher statisch, weil Jatropha aktuell noch auf der Stufe einer “primitiven” Wildpflanze steht und sicherlich bald durch züchtung und/oder biotechnologie sehr viel bessere erträge mit weniger wasser bringen wird.

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  2. rabox66 Artikelautor

    Hm. Ich weiss nicht. Das Problem des hohen Wasserverbrauchs gibt es ja auch bei anderen Pflanzen, die in monokulturen gezüchtet werden. Prinzipiell hate ich es für einen Fehler Pflanzen auf Ackerböden zur Energiegewinnung zu nutzen, wärend gleichzeitig Menschen hungern.

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  3. Kasper

    @rabox66
    Die Jatropha pflanzen werden auf Ackerböden angepflanzt, die brach liegen, bzw. für die kein Nahrungsmittelanbau gewährleistet werden kann. Es muss niemand extra hungern. Und der Anbau und die Bewirtschaftung schafft Arbeitsplätze. Das wiederum stellt sich der Armut und Hungersnot entgegen. Sicher sollten alle mehr und mehr Energie einsparen. Aber das allein wird das Problem nicht lösen, dass es irgendwann keiin Erdöl mehr geben wird. Und da brauchen wir dann eine Lösung. Hierzu ist jede Ökologische Variante akzeptabel, wenn wir rechtzeitig damit anfangen die Erträge zu verbessern und die Planzen bestmöglich anzubauen.

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