Wer zahlt den Atomausstieg?

Posted on | April 6, 2011 | 1 Comment

Ende des Wachstums?

Ende des Wachstums?

Wer die Entwicklung der Energiepreise über die letzten Jahre verfolgt hat, der wird mit Sicherheit bemerkt haben, dass sie kontinuierlich gestiegen sind. Meist genügte ein Mal Tanken oder das Bezahlen der jährlichen Haushaltsabrechnung um die Tendenz wenigstens grob mitzukriegen. Um sicher zu sein und nicht falsche Theorien in die Welt zu stellen, habe ich die Preisentwicklung recherchiert und bin dabei auf diese Grafik gestoßen. Man sieht hier die Entwicklung der letzten Jahre deutlich und detailliert nach Energieformen aufgeschlüsselt.

Wenn man jetzt davon ausgeht, dass Deutschland demnächst aus der Atomkraft aussteigen wird, bedeutet das für die Energiepreise wahrscheinlich eines: Sie werden steigen. Denn wie kann es in einer Marktwirtschaft anders sein: Sobald ein Produkt (in diesem Fall der Strom) knapp wird, steigen die Preise. Steigt aber der Strompreis, dann werden auch die anderen Energiepreise diesem Trend wenigstens teilweise folgen. Obwohl die Preise der einzelnen Energieformen ja nicht aneinander gekoppelt sind, bilden sie doch eine übergeordnete Einheit, innerhalb derer die Entwicklung einzelner Bereiche lediglich in bestimmten Schwankungsbreiten erfolgen kann.

Günstiger Strom, günstiges Gas… Was bedeutet das in Wirklichkeit? Billig ist nicht immer günstig, wenn man die Nebenkosten dazu rechnet!

Diese Situation ist für viele Volkswirte, die ich jetzt einfach mal “Old-School-Ökonomen” nennen möchte, sehr schlecht, denn unsere Wirtschaft ist derzeit so aufgebaut, dass sie möglichst billige Energie benötigt um weiter zu wachsen. Die Rechnung ist zwar relativ einleuchtend, hat jedoch einige Schönheitsfehler:
- Bei der derzeitigen Preiskalkulation werden einzelne Kosten nicht berücksichtigt. So wird beispielsweise die Endlagerung des Atommülls einfach nicht in die Berechnungen einbezogen, sondern den Steuerzahlern aufgebürdet. (Vor allem den zukünftigen Steuerzahlern.)
- Fossile Energieträger werden ohnehin immer teurer werden. Öl und Gas wird aus immer größerer Tiefen gewonnen, die Förderkosten werden daher zunehmen. Ob die Preise jetzt oder erst in einigen Jahren steigen ist eigentlich nebensächlich.
- Die Umweltschäden durch den Abbau von Energieträgern werden immer größer (Deepwater Horizon!) und werden auch nur zum Teil direkt in die Energiepreise einberechnet. Oft subventioniert auch hier der Steuerzahler.
- Viele Großabnehmer erhalten steuerliche Erleichterungen beim Strom und sind damit indirekt subventioniert.

Die Preise für Energie werden also ohnehin nicht korrekt ermittelt, mittel- und langfristig werden die konventionellen Energieträger in jedem Fall deutlich teurer werden. Werden die AKWs also schnell abgeschaltet, wird nicht das Horrorszenario Wirtschaftscrash eintreten, sondern es werden nur Strukturänderungen, die ohnehin früher oder später kommen müssen, beschleunigt. Zudem entsteht ein starker Innovationsdruck in Richtung Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Und die Volkswirtschaft, die als erstes diesen Weg geht, wird auch am meisten davon profitieren. Warum nicht Deutschland?

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Comments

One Response to “Wer zahlt den Atomausstieg?”

  1. Karsten
    Oktober 31st, 2011 @ 22:55

    Hallo,

    alle reden immer vom Atomausstieg?
    Noch ist doch nicht wirklich passiert.
    Auch wenn einihe AKW abgeschaltet wurden, meiner Meinung wurde hier nur Zeit gekauft, denn 10 Jahre lang werden wir noch AKW haben.
    Auch die Endlagerfrage wird uns noch viele Jahrzehnte verfolgen, weil einfach nur geredet, aber nicht gehandelt wird.

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