Röttgen tritt auch als Umweltminister zurück

Nachdem die CDU bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen eine schwere Niederlage erlitten hatte, trat der Landesvorsitzende der CDU, Norbert Röttgen, zunächst von diesem Amt zurück. Wohl auch auf Druck von Kanzlerin Merkel und dem bayerischen CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer bekleidet Röttgen nun aber auch seine Bundesämter, unter anderem Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, nicht mehr. Nachfolger soll Peter Altmaier werden, der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Dieser betont, er wolle sich in seinem neuen Amt ganz auf die Energiewende konzentrieren.

Stadtwerke-Sprecher kritisiert Ausbau der erneuerbaren Energien

Der Sprecher des deutschen Stadtwerke-Verbunds Trianel, Sven Becker, übte gegenüber der Wirtschaftswoche Kritik an der Art und Weise des Ausbaus der erneuerbaren Energien in Deutschland. Seiner Meinung nach verläuft dieser zu unkoordiniert und auch ineffizient bezüglich der Kosten. Konkret meint er, dass es volkswirtschaftlich betrachtet solange nicht sinnvoll ist, die Energiewende mit der derzeitigen Geschwindigkeit zu betreiben, bis man nicht genügend Energiespeicher und einen tragfähigen Netzausbau hat, auch weil dies dazu führe, dass wenn Überschüsse an Ökostrom produziert werden, diese trotz hoher Subventionierung zu niedrigen Preisen ins Ausland verkauft werden. Weiterhin werden Investoren laut Becker erst dann in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren, wenn eine ausreichende Planung und Koordinierung vorhanden sei. Daher ist der Trianel-Sprecher auch dafür, eine eigenes Bundesenergieministerium einzurichten, um die Energiewende kontrollierter abzuwickeln. Da die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien schwankt, benötigen die Stadtwerke laut ihrem Sprecher auch Anreize zum Bau von Solarkraftwerken und Kraftwerken zur fossilen Energieerzeugung.

Unterdessen beschäftigt sich die Politik seit Wochen damit, darüber zu streiten, ob eine Senkung der Solarförderung stattfinden soll. Ins Gespräch gekommen war diese, weil im letzten Jahr in der Bundesrepublik die doppelte Anzahl von Solarenergie-Modulen installiert wurde, wie der Gesetzgeber eigentlich geplant hatte.

Ende der Steuerbefreiungen für den internationalen Verkehr?

Traditionell ist der gesamte internationale Verkehr von Abgaben befreit, die sich auf den verbrauchten Schiffsdiesel sowie auf das Kerosin der Flugzeuge beziehen. Jährlich werden hier 530 Millionen Tonnen Treibstoff verbraucht. Nun liegen erste Pläne auf dem Tisch, die diesen Umstand beenden könnten. Eine geringe Besteuerung würde sich pro Jahr mit rund 45 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Das solcherart erwirtschaftete Geld soll die internationale Entwicklungshilfe finanzieren.

Schiffs- und Flugverkehr weltweit
Der internationale Schiffsverkehr leistet einen bedeutenden Beitrag zum weltweiten Handel. So werden nicht weniger als 80 Prozent aller Waren auf den Meeren transportiert. Das hat seinen Grund: Der Transport mittels eines Containerschiffs ist um ein Vielfaches günstiger als der Transport mit einem Lastkraftwagen. Einerseits ist hier die große Ladekapazität der Frachtschiffe von Vorteil. Andererseits ist Schiffsdiesel steuerbefreit und kostet daher rund halb so viel wie herkömmlicher Treibstoff. Auch der internationale Flugverkehr profitiert von dieser Regelung. Hier ist für das notwendige Kerosin zum Betanken der Flugzeuge ebenso keine Abgabe zu entrichten.

Rechnerisch betrachtet beläuft sich der Anteil des gesamten Transportwesens, inklusive Lastkraftwägen und Autos, auf circa 25 Prozent der globalen CO2-Emissionen. Dem weltweiten Schiffs- und Flugverkehr können in etwa fünf Prozent der umweltschädlichen CO2-Emissionen zugerechnet werden. Auch Schiffe und Flugzeuge tragen somit zum Klimawandel bei.

Neueste Berechnungen gehen davon aus, dass es hier in den kommenden Jahrzehnten zu einem markanten Anstieg der Emissionen kommen wird. Der globalisierte Markt verlangt permanent nach neuen Waren und größeren Gütermengen. Stimmen die Kalkulationen der internationalen Strategieberatung Booz & Company mit der zukünftigen Entwicklung überein, so wird sich der CO2-Ausstoß des internationalen Flugverkehrs bis ins Jahr 2050 voraussichtlich verdreifachen.

Pro und Kontra
Tatsächlich ist nicht nachvollziehbar, warum diese steuerlichen Begünstigungen bis zum heutigen Tag gelten. Schlussendlich verzerren sie den fairen Wettbewerb und lassen keinen objektiven Vergleich der verschiedenen Wirtschaftsstandorte zu. Die Folgen der globalen Klimaerwärmung betreffen hauptsächlich die Bewohner der Schwellen- und Entwicklungsländer. Diesen Menschen kann mithilfe der neuen Steuereinnahmen direkt geholfen werden.

Auf der anderen Seite profitieren gerade die Menschen in den Entwicklungsländern von der Globalisierung des Weltmarkts. Die Besteuerung des internationalen Verkehrs führt wiederum zu einer Verteuerung der Waren. Das bewirkt eine Senkung der Nachfrage in den Industriestaaten. Aufstrebende Länder wie China oder Indien geraten in weiterer Folge unter wirtschaftlichen Druck und müssen somit um ihren Anschluss an den Weltmarkt bangen.

Hier gilt es eine Reihe von wichtigen Faktoren zu berücksichtigen, die allesamt weitreichende Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung der Erde haben. Eines muss jedoch klar sein: Die Regelung der Besteuerung des Welthandels muss weltweit einheitlich erfolgen. Dieser Punkt wird wohl zur eigentlichen Herausforderung für die Verantwortlichen werden.

Text: Joachim KERN
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Nachhaltige Direktbeteiligungen und Lenkungsmaßnahmen des Staates

Serie: Nachhaltig orientierte Anlageformen (Teil 4) Direktbeteiligungen stellen eine direkte Beteiligung des Investors an dem jeweiligen Unternehmen oder Großprojekt dar. Auf den internationalen Finanzmärkten werden sie daher auch als Unternehmensbeteiligungen bezeichnet. Der vierte und letzte Teil der Serie bringt einen kurzen Überblick über nachhaltige Direktbeteiligungen. Zusätzlich zeigt dieser Artikel Lenkungsmaßnahmen auf, die der Staat ergreifen muss, um die geeigneten Rahmenbedingungen für ein Finanzsystem zu schaffen, welches sich an nachhaltigen Maßstäben orientieren kann.

Nachhaltige Direktbeteiligungen
In jüngerer Vergangenheit haben die Entwicklungen auf den Finanzmärkten gezeigt, dass sich Direktbeteiligungen oder die unmittelbare Beteiligung an Unternehmen bei Investoren einer konstant wachsenden Beliebtheit erfreuen. Der Grund hierfür ist zumeist in den steuerlichen Begünstigungen zu finden, welche diese Anlageform mit sich bringt.

Dies zeigt sich spätestens dann, wenn diese Form der Geldveranlagung, verglichen mit anderen Anlageformen, vor Steuern eigentlich kaum höhere Renditen erwirtschaftet. Parallel dazu ist eine Unternehmensbeteiligung zumeist mit höheren Risiken verknüpft. Erst die vorhandenen Steuervorteile verschaffen einer Direktbeteiligung in den meisten Fällen den nötigen Vorsprung gegenüber anderen Finanzprodukten.

Bei einer Unternehmensbeteiligung wird der Anleger zum Miteigentümer eines Großprojekts oder eines Unternehmens. Zumeist geschieht dies, indem der Investor die Rolle eines stillen Teilhabers oder eines Kommanditisten einnimmt. Somit kann der private Anleger auch direkten Einfluss auf das jeweilige Projekt oder Unternehmen ausüben. Solche Konstellationen sind häufig bei Fotovoltaikkraftwerken oder Windparks zu finden.

Allgemein muss dem Investor jedoch nahegelegt werden, bei jeder Direktbeteiligung Risiken und Chancen einzeln abzuwägen. Ebenso wichtig sind im konkreten Fall die Rechtsform des jeweiligen Unternehmens sowie die Gestaltung und Formulierung der für eine Beteiligung notwendigen Verträge. In diesem Zusammenhang fällt der Transparenz des jeweiligen Unternehmens oder Projekts eine entscheidende Rolle zu. Wie bei kaum einer anderen Anlageform sind hier verlässliche und richtige Informationen unumgänglich.

Direktbeteiligungen werden in speziellen Fachzeitschriften oder bei alternativen und herkömmlichen Bankinstituten angeboten. Darüber hinaus sind sie auch auf dem freien Kapitalmarkt erhältlich. Sie unterliegen der Aufsicht des Staates nur im geringen Maße.

Lenkungsmaßnahmen des Staates
Es steht außer Frage, dass in jedem Fall auch der Staat geeignete Lenkungsmaßnahmen ergreifen muss, um die Rahmenbedingungen für ein auf lange Sicht nachhaltig orientiertes Finanzsystem zu schaffen.

Konkret geht es darum, die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen zu verringern. Der Verbrauch dieser nicht erneuerbaren Energieträger muss steuerlich stärker belastet werden, während die Arbeitskraft selbst steuerlich entlastet werden muss.

Diese Maßnahmen sind jedoch wirkungslos, wenn sie nicht mit dem Aufbau einer umweltschonenden und umweltfreundlichen Infrastruktur einhergehen. Auch hier fällt dem Staat eine wichtige Rolle zu, welche in Europa jedoch häufig vernachlässigt wird.

Werden parallel dazu etwa jene Unternehmen und Branchen, welche zukunftsweisende Erzeugnisse herstellen sowie erneuerbare Energieträger bevorzugen, entsprechend gestärkt, so kann eine Volkswirtschaft auch langfristig mit nachhaltigen und positiven Entwicklungen rechnen. [•] Joachim KERN

Text: Joachim KERN
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Umstieg auf erneuerbare Energien würde Brandenburg große Vorteile einbringen

Schätzungen von Greenpeace zufolge würde ein kompletter Umstieg von Braunkohle auf Erneuerbare Energien dem Bundesland Brandenburg bis 2030 eine Steigerung der Wertschöpfung durch Regenerative Energien auf 1,25 Milliarden Euro einbringen, was einer Verdopplung der jetzigen Einnahmen entspräche. Erkenntnissen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zufolge würde sich gleichzeitig die Stromerzeugung mehr als verdreifachen, was eine Deckung des Strombedarfs von 270% bedeuten würde.

Biokraftstoffe: Hoher Informationsbedarf bei Verbrauchern

Die soeben veröffentlichte Studie „Biokraftstoffe” untersucht die Einschätzung der befragten Menschen hinsichtlich der Auswirkung von Biokraftstoffen auf unsere Umwelt sowie auf unsere Gesellschaft. Die Ergebnisse zeigen, dass seitens der Verbraucher nach wie vor ein hoher Informationsbedarf hinsichtlich der Produktion sowie des Einsatzes von Biokraftstoffen herrscht. Folglich zeichnet sich bei diesem sensiblen Thema kein allgemeingültiges Stimmungsbild ab.

Die Studie
Erneut zeichnet das renommierte CleanEnergy Project für eine hochbrisante Meinungsumfrage verantwortlich. Diesmal wurde die aktuelle Meinung von über 1.000 Erwachsenen erhoben, welche generell bereits einen starken Zugang, sei es beruflicher oder privater Natur, zu den Themenkreisen Umwelt und Energie haben. Bei den Befragten handelt es sich in diesem Fall um Mitglieder des Branchennetzwerks für Nachhaltigkeit, saubere Technologien und erneuerbare Energien.

Diese Momentaufnahme des herrschenden Stimmungsbildes zeigt, dass 39 Prozent der Befragten dem Thema Biokraftstoffe eher positiv gegenüberstehen. Zugleich beschreiben 35 Prozent der Teilnehmer ihre Einstellung als eher negativ. Ganze 26 Prozent der Interviewten können sich auf keine eindeutige Meinung festlegen und beurteilen Biokraftstoffe daher als eher neutral.

Der Blick auf die Detailergebnisse der Umfrage macht klar, dass die Meinungen zu den einzelnen Bereichen der Thematik durchwegs stark auseinanderstreben.

Während 51 Prozent der Befragten den Einsatz von Biokraftstoffen als einen Beitrag zur CO2-Reduktion gegenüber mineralischen Rohstoffen, und somit als einen Beitrag zum Klimaschutz, bewerten, gestehen lediglich 23 Prozent der Teilnehmer den alternativen Kraftstoffen auch große Zukunftschancen ein. Als einer der Hauptkritikpunkte an Biokraftstoffen wird ihre negative Auswirkung auf den Anbau von Nahrungsmitteln angeführt. Jedoch erscheinen die Befragten auch in diesem Punkt uneins. Dies führt zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Interviewten davon ausgeht, dass die für die Herstellung von Biokraftstoffen erforderlichen Energiepflanzen nicht nur den Anbau von Nahrungsmitteln verdrängen, sondern zugleich auch einen Anstieg der Nahrungsmittelpreise herbeiführen. Gleichzeitig sind jedoch auch 68 Prozent der Teilnehmer, also über zwei Drittel, sicher, dass der Anbau ebendieser Energiepflanzen auch in einer nachhaltigen Art und Weise erfolgen kann.

Fazit
Anhand der vorliegenden Studie kann derzeit kein allgemeingültiges Stimmungsbild zum Thema Biokraftstoffe gezeichnet werden. Der Anteil der Interviewten, welcher dem Thema positiv gegenübersteht, ist in etwa gleich groß wie der Anteil jener Befragten, die Biokraftstoffe negativ bewerten. Zugleich gibt es einen großen Anteil der Verbraucher, die das Thema generell eher neutral bewerten.

Ein möglicher Ansatz, das zweifellos herrschende Informationsdefizit auf der Verbraucherseite zu reduzieren, liegt folglich darin, dass die Anbieter von Biokraftstoffen die Menschen verstärkt über ihre Produkte, deren Umweltbilanz sowie die angewandten Herstellungsmethoden informieren.

Text: Joachim KERN
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Nachhaltige Aktien und festverzinsliche Wertpapiere

Serie: Nachhaltig orientierte Anlageformen (Teil 3)
Nachhaltige Aktien und festverzinsliche Wertpapiere

Wie zu Beginn der Serie über nachhaltig orientierte Anlageformen dargelegt, gibt es praktisch zu jedem traditionellen Finanzprodukt eine Alternative, die auf die besonderen Ansprüche des vorausschauend agierenden und umweltbewussten Anlegers abgestimmt ist. In Zeiten, in welchen ein erhöhter Bedarf an sicheren Anlageprodukten besteht, erleben festverzinsliche Wertpapiere einen neuerlichen Aufschwung. Der dritte Teil der Serie bringt einen kurzen Überblick über nachhaltige Aktien sowie über nachhaltige festverzinsliche Wertpapiere.

Nachhaltige Aktien
Aktien locken Investoren seit jeher mit überdurchschnittlich hohen Gewinnen. So verhält es sich auch bei nachhaltig orientierten Aktien. Der Unterschied besteht darin, dass es sich in diesem Fall um Wertpapiere handelt, die ausschließlich einer gewissen Gruppe von Unternehmen zugeordnet werden können. Konkret handelt es sich dabei um Aktiengesellschaften, deren Aktivitäten auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit stattfinden. Hierbei geht es zumeist um Betriebe, die im Geschäftsfeld der erneuerbaren Energieproduktion tätig sind oder allgemein den Umwelttechnologien zuordenbar sind. Auch Anteile sozial aktiver Firmen zählen dazu.

Es liegt jedoch ebenso in der Natur der Aktien, dass der hohen Rentabilität eine geringere Sicherheit gegenübersteht. Auch ist das solcherart investierte Vermögen nicht immer sofort verfügbar. Um dieses Risiko bestmöglich zu minimieren, greifen die Anleger hier auf die Informationen Zweiter und Dritter zurück. Dazu zählen etwa die Bewertungen durch Ratingagenturen, Fachzeitungen oder spezialisierte Finanzdienste.

Diese untersuchen neben den gängigen Punkten in diesem Fall besonders die ökologischen, sozialen und ethischen Leistungen des jeweiligen Unternehmens. Zusätzlich wird dieses Paket an Informationen um weitere Faktoren ergänzt. Dabei kann es sich unter anderem um die Zufriedenheit der Mitarbeiter oder um die Entsorgungspolitik des Unternehmens handeln. Die endgültige Bewertung des Betriebs erfolgt mittels diverser Indizes.

Nachhaltige festverzinsliche Wertpapiere
In Deutschland gehen immer mehr alternative Bankinstitute dazu über, festverzinsliche und nachhaltige Wertpapiere anzubieten. Auch traditionell orientierte Banken haben diesen Trend erkannt und engagieren sich auf diesem Gebiet.

Bei dieser Form der finanziellen Veranlagung stellt der Anleger das investierte Kapital seinem Gegenüber für einen fix definierten Zeitraum zur Verfügung. Auch die Zinsen werden vorab festgesetzt. Sie werden entweder am Ende der Laufzeit gemeinsam mit dem veranlagten Kapital oder als kleinere Zahlungen während der Laufzeit ausbezahlt.

Heute sind nachhaltige Anleihen in Deutschland zwar leichter erhältlich, aber immer noch eine seltene Form der finanziellen Veranlagung. Die momentane wirtschaftliche Lage in Europa lässt jedoch den Schluss zu, dass nachhaltige festverzinsliche Wertpapiere in den kommenden Jahren verstärkt auf dem Finanzmarkt angeboten werden.

Text: Joachim KERN
Foto: Bild: Bild: © Logostylish – Fotolia.com

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E.ON investiert in Windparks

Der Energieriese E.ON beabsichtigt, in den kommenden Jahren verstärkt in Erneuerbare Energien zu investieren. Im Einzelnen will das Unternehmen 7 Milliarden in diesen Bereich stecken. Der Großteil davon soll in den Bau von Offshore-Windparks fließen. Insgesamt sollen drei Windparks in der Nord- sowie Ostsee gebaut werden. Das erste Projekt soll der Hochsee-Windpark Amrumbank West sein, der nach Fertigstellung 288 MW erzeugen und damit ab 2015 rund 300000 Haushalte mit Strom versorgen soll. Weiterhin soll der Windpark Humber Gateway vor England errichtet werden, der ebenfalls ab 2015 mit einer Leistung von 219 MW ans Netz gehen soll. Vor Schweden soll außerdem bis 2012 ein weiterer Offshore-Windpark mit 48 MW errichtet werden.

Beim Bau der Windparks soll auch das Offshore-Konstruktionsschiff MPI Discovery zum Einsatz kommen, das E.ON extra für die Bauvorhaben konstruieren ließ und für sechs Jahre gechartert hat. Der Energiekonzern investierte auch schon in der Vergangenheit in Offshore-Windparks, zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen wurden bereits sechs Parks in Nordsee und Ostsee errichtet. Gegenwärtig baut E.ON den weltweit größten Offshore-Windpark in London an der Themse-Mündung.

Dass E.ON trotz geringer Gewinnaussichten durch Atomausstieg und Euro-Krise trotzdem in Erneuerbare Energien investiert, hat allerdings auch seinen Preis: Der Konzern plant massive Einsparungen inklusive Stellenabbau. Weltweit sollen bis zu 11000 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Studiengänge im Bereich Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit boomt. Die Regierungschefs treffen sich zum (leider recht erfolglosen) Klimagipfel, Automobilhersteller produzieren verbrauchsärmere Fahrzeuge, Lebensmittel kauft man häufig nur noch „bio“ und auch beim Thema Studium macht die Entwicklung nicht halt. Daher geht es in diesem Artikel zunächst um die Entstehung des Begriffs der Nachhaltigkeit und eben auch um passende Studiengänge.

Woher stammt der Begriff?
Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde in der Forstwirtschaft geboren, man ordnete schon im 16. Jahrhundert die Nutzung des Waldes auf eine Weise an, dass nicht mehr Bäume abgeholzt werden, als nachwachsen können (Kursächsische Forstverwaltung, 1560). Im Jahr 1713 nahm der Freiberger Oberberghauptmann und Forstwirt Carl von Carlowitz den Begriff “Nachhaltigkeit” in eine Publikation auf, seither gehört das Wort zum deutschen Sprachschatz. Im Allgemeinverständnis werden regenerierbare Systeme auf nachhaltige Weise so genutzt, dass sie in ihren wesentlichen Bestandteilen erhalten bleiben und sich natürlich erneuern können. Nachhaltiges Wirtschaften hatte auch vor einem halben Jahrtausend schon einen handfesten ökonomischen Hintergrund. Man wusste, dass man die Wälder über Generationen weiter brauchen würde.

Nachhaltigkeit im 20./21. Jahrhundert
Als das 20. Jahrhundert zwei verheerende Weltkriege überwunden hatte und die Wirtschaft wieder wuchs, besann man sich auf die Begrenztheit der globalen Ressourcen. Spätestens seit den 1970er Jahren wurde ein entsprechendes Problembewusstsein durch namhafte Wissenschaftler, Publizisten und Politiker geschärft, unter anderem durch den Club of Rome. Auf der 1992er Umweltkonferenz in Rio de Janeiro wurde das globale Recht auf Nachhaltigkeit festgeschrieben, seither ringen Staaten auf immer neuen Konferenzen um verbindliche Klimaschutzziele, die von einer nachhaltigen Wirtschaft untersetzt sind, zuletzt im Dezember 2011 im südafrikanischen Durban. Die Wirtschaft geht eigene Schritte und produziert – zumindest in Teilbereichen – ökologisch, weil auch das Gewinn bringt. Entsprechend sucht sie Fachkräfte, die über den akademischen Hintergrund verfügen.

Studien im Bereich Nachhaltigkeit
In Deutschland gibt es rund 300 Studienangebote, die im Kontext nachhaltigen Wirtschaftens stehen, 130 universitäre Forschungseinrichtungen und 60 außeruniversitäre Forschungsstellen richten ihr Leitbild am Konzept der Nachhaltigkeit aus. Studenten, die einen Studiengang mit nachgewiesen ökologischem und nachhaltigem Background anstreben, können zum Beispiel zwischen Bio- und Umwelttechnik, Abfallentsorgung und Geoökologie, Umwelt-Ingenieurstechnik und Umweltschutz, Wasser- und Abwassertechnik, Umwelt-Engineering und Landschaftsökologie wählen. Viele Studiengänge gibt es als grundständige Vollzeitangebote, aber es gibt durchaus auch einige Angebote als Duales Studium im Bereich Umwelt/ Nachhaltigkeit oder Abend- bzw. Fernstudiengänge Umweltwesen Für jeden, der studieren möchte, ist also etwas dabei.

Die Technologien haben allesamt ein hohes ökonomisches Potenzial, die Fachkräfte werden von den Unternehmen händeringend gesucht. Im Jahr 2020 könnten grüne Technologien mehr Fachkräfte beschäftigten als die Automobilindustrie oder der Maschinenbau. Zu den Fachrichtungen gehört auch das Nachhaltigkeitsmanagement, das nicht völlig deckungsgleich mit ökologischer Wirtschaft ist – das Recycling von Kunststoffen bedeutet auch aus rein ökonomischer Sicht nachhaltiges Wirtschaften (ebenso wie das Verwerten von Schrott). Die Finanzwirtschaft tut ihr Übriges und legt Öko- und Nachhaltigkeitsfonds auf, mit beträchtlichem Erfolg: Auch in der Finanzkrise verzeichneten beispielsweise deutsche Solarfonds kräftige Gewinne. Nachhaltigkeit hat Zukunft.

Jatropha – Energiepflanze der Zukunft oder Fluch?

Die weltweite Suche nach erneuerbaren Energiequellen führt die Menschheit, seit auch der Letzte begriffen hat, dass das Erdöl irgendwann zu Ende ist, in die entlegensten Winkel des Planeten. Dabei liegt das Hauptaugenmerk seit einigen Jahren auf Pflanzen, die für die Energiegewinnung nutzbar sind.

Der angenehme Nebeneffekt dabei ist, dass Energiegewinnung aus Pflanzen den Anstrich der Ökologie hat. Das Grundprinzip hinter dieser Idee ist auch ganz logisch, eine Pflanze gibt bei ihrer energetischen Verwendung nur so viel CO2 ab wie sie zuvor aufgenommen hat. Was allerdings nur graue Theorie ist, denn die Praxis sieht deutlich anders aus.

Rechnet man die Gewinnung der Anbauflächen, inklusive der häufigen Brandrodung und Trockenlegung von Urwaldflächen, den Wegfall von Ackerland, die notwendigen chemischen Stoffe zur Aufrechterhaltung einer Monokultur und die sozialen bzw. ökologischen Probleme in den Erzeugerländern hinzu, sieht die Ökobilanz mehr als schlecht aus.

Als eine mögliche Wunderlösung wird schon seit einigen Jahren eine Pflanze gehandelt, die in den Tropen und Subtropen heimisch und im Volksmund als Purgiernuss bekannt ist. Es ist die Jatropha Pflanze deren Frucht stark ölhaltig ist, ähnlich den Früchten der Ölpalme.

Der Vorteil dieser Pflanze ist, dass sie auf trockenen und marginalen Böden gedeiht und so auch auf Ackerflächen angebaut werden kann, die sonst nicht landwirtschaftlich nutzbar wären. So zumindest die optimistischen Angaben der Kraftstoffindustrie.

Was von Seiten der Industrie aber verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass die Jatropha Pflanze zwar auf trockenen Böden überlebt, soll sie aber einen wirtschaftlichen Ertrag bringen muss sie massiv bewässert werden.

Forscher der Universität Twente haben herausgefunden, dass Jatropha etwa fünf Mal so viel Wasser benötigt um Ertrag zu bringen wie Zuckerrohr und Mais und gar zehn mal mehr als Zuckerrüben. das lässt die Pflanze in zunehmend schlechtem Licht dastehen.

Denn angebaut wird sie großtechnisch bereits im südlichen Afrika und Indien. Dort liegen die Plantagen zwar auf ursprünglich trockenem und landwirtschaftlich schlecht nutzbarem Land, die massive Bewässerung legt die dortigen ohnehin schon wasserarmen Gebiete aber nahezu trocken, was unabsehbare Folgen für das ökologische Gleichgewicht und letztendlich auch für die Landwirtschaft hat.

Hinzu kommen die großräumigen Spekulationen mit Ackerflächen und dem Land der dort ansässigen Landwirte, mit schlimmsten sozialen Folgen für die Menschen. Das Fazit der Jatropha-Lösung ist also ebenso ernüchternd wie das der Palmöl- oder Ethanollösungen. Sie alle weisen eine noch schlechtere Ökobilanz auf, als das altbekannte Erdöl.

Wenn auch nach dem Ende des Öls zwangsläufig eine Alternativlösung gebraucht wird, so sollte man nicht den Fehler machen, diese Lösung als Ökologisch oder nachhaltig anzupreisen. Besser wäre eine massive Einsparung von Energie, speziell im Bereich der Gebäude ist da noch viel Potential vorhanden, dieses zu finden hilft beispielsweise die Baubiologie.